Beschreibung
Vom deutschen Kaiserreich bis zum Digitalzeitalter
Wer wie ich in der landwirtschaftlich geprägten Altmark, gelegen im Norden des heutigen Sachsen-Anhalts mit seinen eher bekannten und teils geschützten Arealen, wie u.a. der Colbitz-Letzlinger-Heide oder den von der UNESCO 1997 bzw. 2019 anerkannten Biosphärenreservaten Flusslandschaft Elbe und nationalen Biosphärenreservat Drömling, in seinen beiden nur dünnbesiedelten Kreisen, dem Altmarkkreis Salzwedel (2.292 Quadratkilometer) und dem Landkreis Stendal (2.424 Quadratkilometer), aber flächenmäßig doppelt so groß wie das Saarland, groß geworden ist, dem begegnen unsere Geschichten und Episoden des Alltags auf Schritt und Tritt.
Noch in Arbeit waren die Überlegungen und Planungen für ein Buch, das einen Rückblick auf Vergangenes der letzten 90 Jahre in meiner Hansestadt Gardelegen wagt, als vor dem Jahreswechsel 2025/26 gleich zwei umfangreiche Postkartensammlungen, vielfach aus den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts, meine ganze Aufmerksamkeit weckten. Auch wenn ich feststellen muss, dass es speziell in der Breite der bestehenden Philokartie, aber auch Philatelie, nur eine begrenzte Sammelleidenschaft besteht, liegt es, verbunden mit einem Hobby, wohl an uns, die Altmark in ihrer Lebensrealität und dem Heimatgedanken ein Stück weit Aufleben zu lassen.
Es sind eher die kleinen Dinge – mit oder ohne Begleitung – wie die treue, in die Jahre gekommene Marlie – die mich hier im Bild an einem Vormittag im zurückliegenden September nahe der Ortslage Kloster Neuendorf begleitete und die Hektik des sonst so urbanen Lebens nicht zulässt. Das Leben auf dem Land bietet eine einzigartige Umwelt für den Aufbau echter Gemeinschaften und treibt immer mehr Menschen zurück zur Natur. Diese macht sich auch in unserer Gegend mit doch smarter Bevölkerungsdichte in Verbindung mit Kunst und Kultur doppelt erlebbar.
Es gab mal eine Zeit, in der die Menschen im Berufsalltag von morgens bis abends ihr Arbeitspotenzial einem Chef zollten, ohne dass sich gleich die Persönlichkeitsentwicklung oder das Selbstwertgefühl nachteilig verformte. Und das ganz ohne elektronische Nachrichten oder konsumierte Posts in den Medien, wie sollte das auch gehen? Das Argument, man müsse heute stets erreichbar sein, wurde indes mit einer Postkarte geregelt, „ …komme 16:12 Uhr auf dem Bahnhof in Gardelegen an, bitte holt mich ab.“ Inzwischen nähert sich der damals zögerliche Siegeszug der Postkarte seit Oktober 1869 dem 160ten Geburtstag. Und an einem solchen Ereignis darf man auch zurückschauen, um Perspektiven zu gewinnen. Das gilt heute wie damals. Denn bei aller medialen Aufmerksamkeit wird in dieser immer schnelllebiger werdenden Zeit vieles ausgeblendet, obwohl es doch unser aller Leben bestimmt. Und so könnte man für den Einstieg in die eigene Familienrecherche und Ahnenforschung die oft vergilbten Schwarz-Weiß-Fotoalben empfehlen. Ich persönlich halte alte Briefe und Karten, wie ein Tagebuch meiner Familie, für die nächste Wahl. Ein Blick zurück zu unseren Wurzeln zeigt, dass es sich fast immer lohnt, sich innerhalb der Verwandtschaftsverhältnisse mit den Abstammungslinien und der Geschichte der Familien zu befassen.
Die Dinge haben immer nur den Wert, den man ihnen verleiht.
Jean-Baptiste Molière (1622-1673)
Was empfinden wir heute, wenn wir diese alten Bilder betrachten? Gern würde ich Sie mitnehmen, nicht an alle Orte der ehemaligen Provinz Sachsen, aber zumindest an Bedeutsames zwischen dem Heideort Letzlingen an der B 71, unserer Hansestadt und bis in den nördlichsten Zipfel, über Lindstedt nach Seethen, meinem Geburtsort. So manche Geheimnisse verbergen sich zwischen sichtbaren Dingen, zwischen dem Fotografen und den Porträtierten und schließlich dem eigenen Rückblick auf die heutige sehr bewegte Zeit. Einiges an Erkenntnissen muss man halt selbst herausfinden. Egal, was bei allen Herausforderungen geschehen ist, die Postkarten und Briefe überdauern und sind historisch wertvoll. Sie regen an, unserer Altmark lernend zu begegnen. Seien Sie herzlich willkommen!
Ihr Roland W. Ebneter
Zum, Autor:
Roland W. Ebneter,
Jahrgang 1956 in Seethen geboren, ist tief in der Altmark verwurzelt. Er blickt bis 2020 auf eine nahezu 45-jährige Laufbahn im Polizeivollzugs- bzw. Polizeiverwaltungsdienst zurück, davon ein Vierteljahrhundert in prägenden Dienstpositionen in Gardelegen, Stendal und Magdeburg. Seine jahrzehntelangen Erfahrungen in übergeordneten Behörden und detaillierten Ortskenntnisse bringt er heute in die ehrenamtliche Arbeit ein.
In diesem Postkartenbuch stützt er sich auf die Zusammenarbeit mit Ortschronisten und anderen Fachleuten der Einheitsgemeinde der Stadt Gardelegen sowie auf seine Mitgliedschaft im Briefmarkenverein „Stendaler Roland“ e.V. in der Nachbarstadt Stendal. Er verknüpft historische Spuren, um das Gesicht des riesigen Altkreises Gardelegen in den Grenzen von 1816 für die Nachwelt wieder lebendig zu machen. Dies bietet der Regionalgeschichtsforschung einen unschätzbaren, fast einzigartigen Vorteil.







